Das Stadtbild ist nicht genug
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Fotos: Frank-Heinrich Müller, Photographiedepot Leipzig

07.06.2011

Nachlese zum 7. BDA-Tag

Der diesjährige BDA-Tag hat nach Leipzig eingeladen: zu einer Diskussion über die konzeptionelle Haltung von Architekten in ihrer Auseinandersetzung mit dem städtischen Kontext. Damit war nicht die emotionalisierte Auseinandersetzung zwischen Traditionalisten und Modernisten verbunden, sondern die Frage nach sinnstiftenden Stadträumen für eine individualisierte Gesellschaft: Wie sind die Räume beschaffen, in denen sich heute Gemeinschaft und öffentliches Leben konstituiert? Mit welchen Angeboten gestalten Architekten die Stadt als soziales und politisches Gefüge? Und welche architektonischen Konzepte und Haltungen sind gefordert, um trotz aller Individualität einen schlüssig gefügten Stadtkörper zu schaffen?

Den Einstieg in die Diskussion bildeten thematische Spaziergänge zu Denk-, Kultur- und Spielräumen, die mit dem Blick des Historikers, Kritikers und Dramaturgen geführt wurden. Es war dieser Blick auf Leipzig, der verdeutlichte, dass der Schlüssel für eine vitale Stadt nicht allein in ihrer Ästhetik liegt. Zweifellos ist das Stadtbild ein wichtiger Parameter für Architektur, doch eben nur einer. Leipzigs urbane Kraft resultiert aus dem pluralistischen Verständnis seiner Stadtgesellschaft, die sich einer lebendigen Vielfalt an Akteuren, Positionen und Haltungen öffnet. Selbstbewusst symbolisieren die Stadträume die geistige Offenheit und bringen das jeweilige zeitliche Moment in gebauter Form zum Ausdruck.

In der Reflexion der Stadtspaziergänge betonten die Architekten Peter Bohn, Markus Emde und Ansgar Schulz in der anschließenden Diskussion, dass das Schaffen von Architektur mehr als die formale Auseinandersetzung mit der Stadt erfordert: Die Suche nach dem angemessenen architektonischen Ausdruck beinhaltet eine Auseinandersetzung mit dem städtischen Kontext und den gesellschaftlichen Erwartungen. Die Attraktivität der Stadt Leipzig zeigt zudem eindrucksvoll, dass Urbanität keinen abgeschlossenen Architekturkanon voraussetzt, sondern gleichwohl im Formverständnis unserer Zeit entsteht.

Den inhaltlichen Abschluss fand der BDA-Tag in der Verleihung des Großen BDA-Preises an Volker Staab. Geehrt wurde er für sein Werk, das sich durch eine große Sensibilität gegenüber dem Bestehenden und durch ein hohes Maß an Selbstreflexion auszeichnet. Der Laudator Gerd de Bruyn äußerte sich nachdenklich über die Qualität der derzeitigen Architekturproduktion, wenngleich er keinen Zweifel daran ließ, dass es – wenige – Bauwerke gibt, die „man als eine Flaschenpost beschreiben“ kann, „worin Botschaften eingeschlossen sind für kommende Generationen, die wieder zur Architektur zurückfinden und darum wissen wollen, welches ihre Fundamente sind.“ Die vergleichende Würdigung des von Volker Staab geschaffenen Servicezentrums auf der Münchner Theresienwiese mit der benachbarten Ruhmeshalle von Leo von Klenze zeigte auf schönste Weise, dass Staabs Werk diese Botschaft enthält.

Gefeiert wurden mit dem anschließenden BDA-Fest in der Galerie für Zeitgenössische Kunst der geehrte Volker Staab und der BDA-Sachsen, der 20 Jahre alt wurde.

Laudatio

Publikation "Großer BDA-Preis 2011 - Volker Staab"

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