Helmut Dietrich in Kiel
Klicken um Bild zu vergrößern

ArchitekturClub November 2009

Ein volles Haus bescherte Helmut Dietrich von Dietrich | Untertrifaller Architekten aus Bregenz in Österreich dem ArchitekturClub in Kiel. Im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Regionales Bauen – Wie sollen wir in Schleswig-Holstein bauen?“ des BDA Schleswig-Holstein zeigte Dietrich mit seinem Werkbericht zahlreiche anschauliche Beispiele für eine Architektur, die auf bescheidene und selbstverständliche Weise ortsbezogen und zeitgemäß ist und eine tiefe Verbundenheit des Architekten mit seiner Heimatregion Bregenzer Wald zeigt. Im Zentrum der Arbeit von Helmut Dietrich und Much Untertrifaller steht die respektvolle Eingliederung ihrer Bauten in die natürliche oder städtische Umgebung und deren Anpassung an die Topografie.

Fast alle ihrer Bauten können als Musterbeispiele für nachhaltige Architektur gelten und dies wird nicht als modische Attitüde vorgetragen, sondern ergibt sich aus der genauen Analyse ihrer Rahmenbedingungen. Die Bauten entwickeln aus der  Verwendung natürlicher, beständiger und ortstypischer Materialien einen wesentlichen Teil ihrer architektonischen Kraft. Gleichzeitig werden damit die regionale Wirtschaft unterstützt, Transportwege reduziert und dadurch unnötige CO2-Emissionen vermieden. Die Beauftragung ortsansässiger Firmen bei nahezu allen Projekten spart nicht nur Zeit und Geld, sondern fördert darüber hinaus die regionale Identität und weckt ein in anderen Gegenden schmerzlich vermisstes Verständnis auch der Unternehmen für eine zeitgemäße Architektur, die in der Tradition der Orte verwurzelt ist. Konsequenterweise plädiert Dietrich daher auch für einen möglichst langen Erhalt vorhandener Bausubstanz und damit für gewachsene Strukturen. Anschaulich machte er dies am Angelika Kauffmann-Museum in Schwarzenberg. In diesem historische Gebäude wurden, ohne dies äußerlich kenntlich zu machen, High-Tech-Museumsräume implantiert und der gesamte hintere Hausteil umgebaut.

Am Neubau der Hauptschule in Klaus im Vorarlberg zeigte Dietrich dann exemplarisch, dass die Erfahrungen im ökologischen Einfamilienhaus auch auf größere Dimensionen übertragbar sind. Die Schule, gebaut und verkleidet mit einheimischer, unbehandelter Weißtanne, war als erstes öffentliches Gebäude in Österreich im Passivhausstandard konzipiert: Die dazu erforderliche Gebäudetechnik - Nutzung von Solarenergie, Regenwassernutzung, hochdämmende Isolierung der Außenhülle, zentrale Be- und Entlüftungsanlage,  Erdwärmetauscher - wird dezent im Hintergrund gehalten und in eine bescheidene und klare Architektur integriert, der man ansieht, dass ihr eigentliches Thema die Schüler und Lehrer sind, die sich über freundliche und angenehm proportionierte Räumlichkeiten aus warmen, natürlichen Materialien freuen können.

Weitere Beispiele wie das Festspielhaus in Bregenz, die Feuerwehr und Bergrettung in Mellau, das Sportcenter an der ETH Zürich und verschiedene Einfamilienhäuser belegten eindrucksvoll einerseits die Vielseitigkeit des Architekturbüros und andererseits die konsequente Umsetzung der gesetzten Schwerpunkte und Ziele.

Das Bauen mit Holz, die zeitgemäße Architektursprache unter der Verwendung traditioneller Gestaltungselemente und damit der spezielle Regionalbezug nahmen in der anschließenden Diskussion im Plenum großen Raum ein. Trotz der großen Entfernung nach Österreich war sich das Plenum weitgehend einig, dass sicher nicht die Architektursprache, wohl aber die dahinter stehende Haltung auch im nördlichsten Bundesland beispielgebend sein kann.

Der Abend, der mit einer von einem weltweit tätigen Büroausstatter und seinem norddeutschen Vertriebspartner gesponsorten österreichischen Brotzeit begonnen hatte, endete nach dem herzlichen Dank des Landesvorsitzenden an die Sponsoren des Abends und der gesamten Veranstaltungsreihe mit der engagierten Fortführung der Diskussion in kleineren Gruppen bei einigen Gläsern österreichischer Weine.

Preview