Volkwin Marg in Kiel

ArchitekturClub September 2009

Zum zweiten Mal konnte der BDA Landesverband Schleswig-Holstein Prof. Volkwin Marg von Gerkan, Marg und Partner, dem größten und international renommiertesten Architekturbüros Deutschlands, für einen Vortrag im Rahmen des ArchitekturClubs in Kiel gewinnen. Der Landesvorsitzende Björn Bergfeld hatte mit Marg als erstem Referenten die Veranstaltungsreihe 2005 nach Hamburger Vorbild ins Leben gerufen. Zum 18. ArchitekturClub 2009, dem letzten unter Bergfelds Regie, hatte er seinen ersten Gast erneut eingeladen. Und dieser war gekommen, um mit einem engagierten Vortrag für erfolgreiche, städtebaulich wie ästhetisch überzeugende Architektur zu werben. Lebhaft und mit einnehmender Rhetorik stellte Marg vor dem Hintergrund seines umfangreichen kulturellen Wissens und seines aktuellen Mottos „Architektur ist natürlich nicht unpolitisch“ am Beispiel der Hamburger Hafencity den erfolgreichen Umgang von Architekten mit politischen und kommerziellen Entscheidungsträgern bei der Durchsetzung städtebaulich sinnvoller Konzepte vor.

Durch beharrliche Überzeugungsarbeit war es einer von ihm geführten Gruppe von Architekten in den siebziger Jahren nicht nur gelungen, das damals geplante Zuschütten der Fleete zugunsten von Straßen in der historisch einmaligen Speicherstadt  zu verhindern, sondern auch eine radikale Neubewertung der Qualitäten der Wasserlage Hamburgs zu initiieren, die letztlich die Entwicklung des Hafencity-Projekts bewirkte. Zwar sei es für Architektur, die ja keine unabhängige, sondern gebundene Auftragskunst und Dienstleistung sei, schwierig,  sich in einer partizipatorischen Demokratie unverfälscht zu entfalten, räumte Marg ein. Möglich sei das am ehesten, wenn man mit ausgereiften Konzepten und klaren, auch die Emotionen ansprechenden bildlichen Darstellungen an Entscheidungsträger herantrete und die Öffentlichkeit erst dann einbinde, wenn sinnvoll über die Konzepte diskutiert werden kann. Dabei sei ein „langer Atem“ und ein geschützter Bereich, in dem sich Ideen frei entwickeln könnten, unabdingbar.I

m zweiten Teil seines Vortrags beschrieb Marg den Sportstädten- und Stadionbau als „Choreographie der Massen“. Schon im alten Rom zu Zeiten des Circus Maximus, später beim Berliner Olympiastadion erkennbar, sei der von der Architektur bereitgestellte Rahmen für die Inszenierung von Spielen und Ruhigstellung der Massen zur Stabilisierung von Systemen eingesetzt worden. Die gezeigten aktuellen Beispiele aus aller Welt – noch im Bau oder bereits fertig gestellt – lassen vermuten, dass dieser Mechanismus auch  heute noch unvermindert gilt.

Volkwin Marg verstand es, mit seiner leidenschaftliche Art des Vortrags die gut 65 geladenen Gäste weit über zwei Stunden zu fesseln.Die sich üblicherweise anschließende Diskussion fiel daher allerdings deutlich kürzer aus als sonst. So konnte denn auch nicht weiter diskutiert werden, welche Bedeutung die beschriebene Choreographie der Massen heute hat - und für wen.

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