ArchitekturClub März 2010
Der ArchitekturClub war zum wiederholten Mal sehr gut besucht. Der Referent, Wilhelm Berner-Nielsen, Mitinhaber von Arkitema, einem der größten Architekturbüros in Dänemark mit 160 Mitarbeitern, versprach einen Einblick in das Arbeiten eines facettenreichen Büros. Unter der durchgängigen Maxime von Nachhaltigkeit im Hinblick auf Umwelt, Ästhetik, Finanzen und Soziale Aspekte zeigte er das breite Spektrum der Bauaufgaben seines Büros. Auf großes Interesse stieß bei den Zuhörern die Methoden der Herangehensweise an diese Aufgaben. Berner-Nielsen machte deutlich, dass die anfänglichen vielen Entscheidungen, die im Rahmen von Bauprojekten zu treffen sind, durch eine intensive breit angelegte Bedarfsanalyse mit dem Auftraggeber erleichtert werden und zu weniger Konflikten im Baufortschritt führen. In fünf Schritten ermittelt Arkitema die tatsächlichen Bedarfe der Bauherren. Dabei werden abstrakt vom angedachten Baukörper Arbeitsabläufe hinterfragt und diskutiert, das bisherige Arbeiten mittels Video dokumentiert und Ideen entwickelt, bevor der eigentliche Entwurfsprozess startet. Kontinuierlich bringt Arkitema Architekten, Ingenieure, Designer, Bauherren, Städteplaner und alle am Bauvorhaben Beteiligten vom ersten Entwurf bis zur Übergabe des Baus und darüber hinaus in ein andauerndes Gespräch.
Im Anschluss an die Erläuterungen über diese Arbeitsansätze machte Berner-Nielsen die Umsetzung an vielen eigenen Projekten aus den Bereichen Wohnen, Lernen, Gesundheit, Gewerbe und Kultur deutlich. Beim Großprojekt „Sluseholmen“ im südlichen Hafen von Kopenhagen übernahm Arkitema die Generalplanung für 1.000 Wohnungen auf 135.000 m2. Die Wohnungen sind modular ein- und zweistöckig konzipiert. Die Fassaden wurden unter Mitarbeit von vielen jungen Architekten und Künstlern vielseitig gestaltet und machen so individuelles Wohnen in einer großen Anlage in Wassernähe für junge Leute sehr interessant.
An zahlreichen Beispielen aus dem Fabrik- Krankenhaus- und Wohnungsbau wurde deutlich, wie nah am individuellen Bedarf geforscht und gebaut wird, und wie unerwartet, aber durchdacht manche Lösungen ausfallen. So stellten die Architekten bei der Planung einer Fabrik fest, dass sich deren interne Abläufe am besten optimieren ließen, wenn alle Mitarbeiter in einem großen „Raum“ zusammen arbeiteten, sowohl die Produktion, wie auch der Vertrieb - und realisierten dies. Die größte Schlachterei in Nordeuropa wurde so gebaut, dass auch Besuche von Touristen bereits eingeplant sind: Rund um die Produktion gibt es einen gläsernen Gang, der einen Einblick ermöglicht.
Eine besondere Bauaufgabe, auch für Arkitema, war sicherlich die Renovierung und Restaurierung des Schloss Amalienborg, dem zukünftigen Wohnsitz der Thronfolgerfamilie. Die Bedarfsanalyse ergab, dass moderne Wohnräume, ein Empfangs- und Gästebereich sowie moderne Kunst erforderlich und gewünscht waren; so wurden unter anderem acht Künstler mit in das Projekt einbezogen, die für jeden Raum eigene Arbeiten anfertigen. Viele weitere Beispiele machten den Abend sehr informativ und kurzweilig. Abschließend gab Herr Berner-Nielsen einen Ausblick auf den Schwerpunkt für die Bauaufgaben in Dänemark in der Zukunft (20-30 Jahre) : Er geht davon aus, dass Rekonstruktion alter Bausubstanz eine große Rolle spielen wird, ebenso wie die Präfabrikation von Bauteilen, Forschung in neue Produkte, die einfacher und günstiger herzustellen sind sowie intelligentes Bauen durch vorgefertigte Bauteile, die chipgesteuert geliefert werden. Das einhellige Resumée der Gäste an diesem Abend: „beeindruckend“.